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Mit neuen Stallsystemen Tierwohl und Ökonomie vereinbaren

An ihre gemeinsame Verantwortung für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Landwirte und Verbraucher gleichermaßen erinnert. Klöckner stellte heute in Berlin bei der Präsentation der Ergebnisse zum Projekt "Virtueller Stall der Zukunft" fest, dass die Arbeit von Landwirten gerade in der Gesellschaft immer intensiver begleitet und diskutiert werde. Wolle man in Deutschland die Nutztierhaltung auch zukünftig erfolgreich betreiben, müsse die gesellschaftliche Zustimmung gesichert werden, ohne dabei die ökonomische Seite der Produktion außer Acht zu lassen.

Einen Ansatz dafür soll das vorgestellte Projekt liefern, bei dem laut Bundeslandwirtschaftsministerium unter Koordination von Experten der Universität Göttingen wissenschaftlich untersucht wurde, wie innovative, tierwohlorientierte Schweineställe der Zukunft aussehen können, die gesellschaftlich akzeptiert werden und zugleich praktisch realisierbar sind. Mit den Entwicklungen aus dem Projekt sollen Landwirte künftig per Baukastensystem ihren modernen Stall für Sauen, Ferkel oder Mastschweine planen und dafür betriebsindividuell Kosten kalkulieren.

Die dafür entwickelten Stallsysteme bieten nach Darstellung der beteiligten Wissenschaftler mehr Platz und Bewegungsfreiheit für Sauen, Ferkel und Mastschweine, getrennte Funktionsbereiche, ein unbegrenztes Angebot von Raufutter sowie Stroheinstreu oder anderes organisches Beschäftigungsmaterial, aber auch Möglichkeiten zum Duschen und Wühlen für Mastschweine, den Zugang zu einem Außenklimabereich für alle Tiere ab 30 kg Gewicht und einen Stallbau aus Holz, um Nachhaltigkeits- und Schönheitsaspekten gerecht zu werden. Die aus den verbesserten Bedingungen resultierenden Zusatzkosten beziffern die Forscher auf etwa 30 Euro pro Mastschwein.

Nach Auffassung von Klöckner können die Landwirte die Mehrkosten eines solchen Stalls und der verbesserten Haltungsbedingungen nicht allein tragen. Deshalb müssten die Verbraucher bereit sein, für höhere Anforderungen auch an der Kasse zu zahlen. Die CDU-Politikerin will nicht zuletzt mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen den Mehrwert der so erzeugten Produkte abbilden. Notwendig sind ihr zufolge auch Anpassungen in der Baugesetzgebung und beim Immissionsschutzrecht, um die Hürden für den Bau tierwohlgerechterer Stallsysteme abzubauen.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Carina Konrad begrüßte grundsätzlich Klöckners Ansatz, mit innovativen Stallsystemen zu mehr Tierwohl zu kommen. Wichtiger wären aber aus ihrer Sicht die gezielte Förderung "zukunftsweisender Betriebe" und baurechtliche Vereinfachungen. AgE


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